Evakuierungen auf La Palma: Ab 19 Uhr gehört La Laguna dem Vulkan


Wieder müssen Menschen auf La Palma ihre Häuser verlassen. Das ist ihre Geschichte – an einem Tag, der vielen Anwohnern für immer im Gedächtnis bleiben wird.

Lesedauer: 3 Min.

Stress und Hektik liegen schon den ganzen Tag über dem Viertel La Laguna in Los Llanos de Aridane. 19 Uhr lautet die Frist. Bis dahin müssen die Anwohner ihre Häuser verlassen haben. Wer hat, packt die wichtigsten Habseligkeiten in große Autos. Erinnerungen, Musikanlagen oder Möbel verlassen den Ort durchgehend über die Hauptstraßen.

Langsam aber sicher nähert sich der neue Lavastrom dem Viertel auf der Kanaren-Insel La Palma. Als am Samstag der Kegel brach, bildete er sich. Und nun bedroht er neue Stadtteile der umliegenden Ortschaften.

Der Platz, an dem die Königin von Spanien den Anwohnern kürzlich noch Mut zusprach, wird so plötzlich zum Umschlagplatz für all die Habseligkeiten, die jetzt von Freunden und Familien abtransportiert werden.

„Wir mussten schon unter der Evakuierung von Todoque leiden und dabei zusehen, wie der Vulkan Hunderte Häuser und Farmen zerstört. Jetzt sind wir an der Reihe“, sagt Marcelino Hernández angefasst. Er ist der Präsident des Nachbarschaftsverbandes von La Laguna.

Auch Hernández ist Helfer in der schwierigen Zeit. Seinen Nachbarn unterstützt er grade noch, die letzten Möbel auf einen LKW zu laden. Dann wird auch dieser zu einem Teil der Statistik.

6200 Menschen sind nun schon aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben worden. Das berichtet der technische Direktor des Vulkanischen Notfallplans auf den Kanarischen Inseln (Pevolca), Miguel Angel Morcuende, mit einer Routine, die nur Fachleute in solchen Momenten haben können.

Selbst im Krisengebiet hoffen Optimisten, vom Vulkanausbruch auf La Palma verschont zu bleiben

Nicht weit entfernt, bringen die Mitarbeitenden eines Baumarkts LKW-weise Ladungen in Außenlager. Auch dort wird gerettet, was zu retten ist. Doch es gibt auch andere Sichtweisen: In der Nähe des Geschehens bleiben optimistischere Anwohner in einer Bar und genießen letzte Getränke vor der Evakuierung. Wer dort sitzt, hofft darauf, dass die Lava ihren Weg ändert. Wie in anderen Katastrophen der jüngeren Zeit, gibt es auch hier zwei Lager.

Nur wenige Tage zuvor war La Laguna noch der Zufluchtsort für diejenigen, die aus Todoque vertrieben wurden. Jetzt ist auch dieses Viertel an der Reihe: Journalisten berichten in regelmäßigen Abständen über den Verlauf der Evakuierung. In den Sendepausen helfen einige von ihnen den Anwohnern dabei, ein paar besonders schwere Teile zu verladen.

Evakuierung auf La Palma: „Ich weiß nicht, wohin mit den Hunden“

Andere Betroffene plagen sich mit viel existenzielleren Fragen, als dem bloßen Gewicht ihrer Habseligkeiten: „Ich weiß nicht, wo ich um sieben Uhr hingehen soll. Und ich weiß nicht, wohin mit den Hunden“, sagt ein Anwohner. Er verdient sein Geld mit der Werkstatt, die er in seiner Garage eröffnet hat. Kommt es so, wie die Experten berechnet haben, wird eben diese Garage schon bald unter Lavamassen begraben liegen.

Schon den gesamten Tag über ist es Asche, die über der Stadt liegt. Sie bringt einem rabenschwarzen Tag für die Anwohner den traurig-passenden dunkelgrauen Rahmen. Als die Uhr schließlich die 7 anzeigt, wird es langsam ruhiger. Zu der gespenstischen Kulisse gesellt sich allmählich bedrückende Stille. Ob sie für immer über La Laguna liegen wird? Das entscheidet allein der Vulkan.

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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