Neue Debatte um Zug-Verbindung zwischen Teneriffa-Süd und La Laguna


Die Debatte erinnert ein wenig an die us-amerikanische Film-Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier". Doch mit jedem neuen Versuch werden die Argumente stichhaltiger. Kommt die Zug-Verbindung zwischen Teneriffa-Süd und dem Norden der Insel doch noch? Das sagen Experten.

Lesedauer: 4 Min.

Teneriffa-Süd „ist – glaube ich – der einzige Flughafen der Welt mit zwölf Millionen Passagieren pro Jahr, aber ohne geführte Personen-Beförderung“, sagt Luis Gutiérrez. Er ist der stellvertretende Dekan der Hochschule für Bauingenieure in Santa Cruz auf Teneriffa. Und er eröffnet damit einmal mehr die Debatte um eine Zug-Verbindung zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Gebieten auf Teneriffa.

Immer wieder wird diese Diskussion geführt. Sogar der Transrapid (siehe Foto oben) war zwischenzeitlich im Gespräch. Zwar war das Prestige-Projekt in Deutschland gescheitert, auf den Kanaren sollte damit jedoch eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen beiden Flughäfen geschaffen werden.

Damit wären das touristische Zentrum im Süden und die Metropolregion von Santa Cruz und La Laguna im Norden miteinander verbunden gewesen. Gescheitert ist das Projekt seinerzeit auch daran, dass die nötigen Grundstücke nur schwerlich hätten gekauft werden können. Auch wenn eine klassische Zugverbindung aller Voraussicht nach mit geringeren Kosten auskommen würde, teilen sich beide Projekte zumindest diese Problematik auch weiterhin.

Aus dem Archiv – Der Transrapid:

Gutiérrez findet diesen Aspekt bemerkenswert. Er sagt dazu: „Ich erinnere mich an einen Generaldirektor der Autobahnen der Regierung der Kanarischen Inseln“. Dieser habe einmal gesagt: „Wenn ich nach Gran Canaria gehe, melden sich die Menschen in den Städten und die Politiker, um mich um Investitionen und Arbeit zu bitten. Wenn ich nach Teneriffa gehe, ermutigen sie mich, es nicht zu tun.“ Das Ergebnis sei simpel: „Auf Gran Canaria haben sie alles gebaut – und hier bleibt noch eine Menge zu tun.“

Der Grund für diesen Investitionsstau sei ebenso einfach: „Es ist die gleiche Straßensituation wie vor 25 Jahren.“ Und genau das merkt man den oftmals maroden Autobahnen und Landstraßen auf Teneriffa an. Immerhin wurde die Süd-Autobahn während der Pandemie teilsaniert. Die Fahrbahndecke war so sehr in die Jahre gekommen, dass – auch wenn sicher nicht ganz uneigennützig – die Vereinigung der Bauunternehmer sogar von „Fahrlässigkeit“ sprach.


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Scheiterten bisherige Projekte also an Grundstücken und der lästigen Mathematik, so sei die Situation zumindest bezogen auf die Rentabilität inzwischen anders. Das sagen Rufino García und Iván Solla. Die beiden Ingenieure rechnen vor, dass die Straßenbahn Metropolitano de Tenerife, die Santa Cruz und La Laguna verbindet, bereits „mit 55.000 Fahrgästen pro Tag rentabel ist und sich die Investition auszahlt“. Und das könne der Zug ebenfalls erreichen.

Probleme mit der Verkehrswende: „Teneriffa fehlt eine zentrale Behörde“

Dass das Projekt dennoch nicht vorwärts kommt, liege an einem zentralen Problem der Inselpolitik. Das sagt Rufino García Fernández, Präsident der kanarischen Kulturstiftung für Ingenieurwesen und Architektur Betancourt y Molina. Demnach fehle es an einer zentralen Behörde, die die Mobilität auf Inselebene konsequent verwaltet“.

Frei übersetzt berichtet der Experte also, dass diverse Verkehrs-Großprojekte den Politik-Tod gestorben seien. García Fernández verweist auf den Ausbau der TF-1 um eine dritte Spur, der seit Jahren genehmigt ist, jedoch nie angegangen wurde. Oder darauf, dass es keine Verkehrswende im Süden gebe.

Laut García müsse das Straßensystem der Metropolregion Teneriffas dringend verändert werden. Dies sei 2006 vom Cabildo genehmigt worden. Doch dann habe jemand gesagt, „jetzt gefällt es mir nicht“, und es sei zum Stillstand gekommen – bis heute. Das berichtet er leicht überspitzt.

In der Folge des Stillstands habe Teneriffa dringend nötige Änderungen verpasst. So würden heute im Norden und Süden in je einem Abschnitt mehr als 100.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt werden. 80 Prozent davon würden lediglich eine Person befördern, sagt García.

Teneriffas Autobahn-Netz stammt aus dem vorigen Jahrhundert

Die Autobahn sei in den 80er-Jahren in Betrieb genommen worden. Damals lag die Verkehrsdichte bei 22.000 Fahrzeugen pro Tag. Selbst wenn also die Autos künftig von zwei Personen belegt wären, würde die Verkehrsdichte noch immer beim Dreifachen der zum Bau als Normalnull angenommenen Zahl liegen.

Zur Veranschaulichung lohnt auch ein Blick auf die Entwicklung der Insel. Als die Autobahnen einst geplant wurden, gab es auf Teneriffa etwa 400.000 Einwohner und 11.400 Fahrzeuge. Inzwischen liegt die Einwohnerzahl bei mehr als einer Million. Die Zahl der Fahrzeuge hat sich sogar auf bis zu 850.000 hochgeschraubt.

Eine Lösung für all das könne der Zug sein. Diese Debatte wird alle paar Jahre losgetreten. Ob sie diesmal wirklich fruchtet, darf bezweifelt werden. Doch ähnlich wie bei der Sanierung der Fahrbahndecke hilft möglicherweise ja auch hierbei die regelmäßige Erinnerung an die Alternativen zum (meist nur mit einer Person besetzten) Auto.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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