Kanaren überschreiten erstmals Marke von 40.000 Ferienwohnungen


Auf den Kanarischen Inseln gibt es mehr Ferienwohnungen als je zuvor. Für private Anleger wird diese Art der Vermietung immer interessanter. Interessenverbände wollen das verhindern.

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Die Pandemie hat privaten Anlegern einen herben Rückschlag für ihre Investitionen bereitet. Doch diese Zeit ist endgültig vorüber. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen des Nationalen Statistikamts (INE). Demnach gibt es auf den Kanaren so viele Ferienwohnen wie nie zuvor.

Erstmals in der Geschichte der Kanarischen Inseln wurde die Zahl von 40.000 Ferienwohnungen oder Apartments durchbrochen. Laut INE sind auf den Inseln seit Februar 2167 neue Ferienhäuser gemeldet worden. Und damit sogar rund 3000 mehr als noch im August 2020, als die Pandemie den Tourismus auf den Inseln nahezu lahmgelegt hatte.

Doch der Trend ist längst umgekehrt, wie der Blick auf die Zahlen zeigt: Derzeit gibt es auf den Kanaren 172.773 Betten in Ferienwohnungen und Apartments. Das sind 5632 Betten mehr als im Vorjahr und sogar 10.652 mehr als vor zwei Jahren.

Kritiker fordern Politik auf, private Vermietung auf den Kanaren zu regulieren

Und private Vermietungen sind nicht nur für Anleger interessant. Auch die Nachfrage stieg deutlich. Das bringt Kritiker auf den Plan. Sie sagen, die private Vermietung würde die Preise gewerblicher Mietwohnungen in die Höhe treiben. In Summe würde ein negativer Effekt auf dem Mietmarkt entstehen. Neben immer teurerem Wohnraum würden auch Probleme entstehen, wenn Privatleute und Touristen im selben Wohnkomplex zusammenkämen, heißt es.

Zu den Haupt-Kritikern privater Ferienvermietung gehören Hoteliers. Sie sehen einen neuen Wettbewerb und wollen private Vermietung daher am liebsten verbieten lassen, wie der Blick auf einen aktuellen Vorschlag zeigt. Ihrer Meinung nach seien bestehende Regelungen zu lax und entsprächen nicht denen, die die Hotelbranche einhalten müssten.

Kanaren-Politik sieht Ferienwohnungen in Konkurrenz zum Recht auf Wohnraum – doch stimmt das überhaupt?

Auch aus einigen Kommunen wurde zuletzt Kritik laut. Der kanarische Gemeindeverband (Fecam) arbeitet daher an einem Vorschlag, der klarere Regelungen auch für private Vermieter bedeuten würde. Viele Verwaltungen halten es für nötig, einen Strafenkatalog zu formulieren, damit eine Handhabe gegen Schwarze Schafe entsteht.


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Zudem müssten Extremfälle reguliert werden, hieß es. Diese sehen immer mehr Bürgermeister dann gekommen, wenn zu viel Wohnraum für Einheimische in Touristenwohnungen umgebaut würde. Solche „Extremfälle“, hieß es, müssten beschränkt werden können, da sie das Recht auf Wohnraum untergraben könnten.

Kritiker beauftragen Gesetzentwurf gegen private Vermietung auf den Kanaren

Um keine Zeit zu verlieren, beauftragte die Fecam nun sogar eine Anwaltskanzlei damit, einen Regulierungsvorschlag zu formulieren. Die Kanarische Ferienvermietungsvereinigung (Ascav) sagte, sollte der Entwurf so durchgewunken werden, würden 95 Prozent des Geschäfts verboten werden.

Gleichzeitig wehrt sich Ascav dagegen, dass private Vermietung allein für steigende Mietpreise verantwortlich gemacht werde. Die Verantwortung für den Wohnungsmangel auf den Kanarischen Inseln dürfe nicht auf den Schultern der 70.000 Familien abgeladen werden, die von diesem Geschäft leben, hieß es.

Tatsächlich geben die Zahlen des INE eine entsprechende Verantwortlichkeit nicht her. Denn laut Statistikamt machen die Ferienhäuser auf den Kanaren weniger als 3,9 Prozent aller Immobilien aus.

So verteilen sich Ferienwohnungen auf den Kanaren

Allerdings ist die Verteilung nach Gemeinden sehr volatil. So liegt der Prozentsatz in einigen Gemeinden im zweistelligen Bereich, während er anderswo verschwindend gering ist. 

Der Süden Teneriffas ist die Region mit den höchsten absoluten Zahlen an Ferienimmobilien. Im August 2022 waren in Adeje 16.128 Objekte gemeldet. Das benachbarte Arona verfügt laut INE über 3420 touristische Immobilien.

Die höchste prozentuale Zahl an Ferienwohnungen wird unterdessen in La Oliva auf Fuerteventura gemeldet. Dort liegt der Anteil an Ferienhäusern bei 28 Prozent aller Wohn-Immobilien. Die Region ist gleichzeitig die, mit dem stärksten Anstieg bei der Nachfrage. Sie nahm zwischen Februar und August am stärksten zu. Dennoch ist dort auf das gesamte Jahr gesehen auch der Leerstand am höchsten.

Nach Angaben des INE sind Valleseco und Arucas auf Gran Canaria die Orte mit dem geringsten Anteil an Ferien-Immobilien. Dort werden nur 0,63 Prozent aller Wohnungen entsprechend vergeben. In den Hauptstädten der Provinzen es es ähnlich: Dort werden in Santa Cruz de Tenerife 0,8 Prozent und in Las Palmas de Gran Canaria 1,2 Prozent der Immobilien privat an Touristen vermietet.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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