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Kanaren schaffen so viele Arbeitsplätze wie nie – trotz Technisierung und KI


Noch nie in der Geschichte der Kanarischen Inseln hat es so viele Arbeitsplätze gegeben wie aktuell. Und das in einer Arbeitswelt, die sich tendenziell vor KI und technologischem Fortschritt fürchtet.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Mehr als 900.000 Menschen zahlen auf den Kanarischen Inseln in die Sozialversicherung ein. Diese Marke wurde im vergangenen Monat erstmals durchbrochen. Damit haben die Kanaren so viele Arbeitnehmer wie nie.

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre kamen rund 93.500 Jobs hinzu. Dies bedeutet ein Plus von 11,5 Prozent. Und das in einer Arbeitswelt, die aufgrund von technologischem Fortschritt und Künstlicher Intelligenz (KI) um Arbeitsstellen fürchtet.

Doch es ist kein Mangel an technologischem Fortschritt, dass auf den Kanaren weitere Arbeitsstellen hinzu kommen. Der Bedarf an Arbeitskräften wird auf dem Archipel ganz anders erklärt.

Tourismus und Gastronomie treiben Arbeitsmarkt der Kanaren an

Oft blicken die Kanaren neidvoll auf andere Autonome Gemeinschaften Spaniens. Doch die jüngsten Touristenzahlen bringen zwar Ärger mit sich (mehr dazu unten), aber eben auch Chancen. Denn Tourismus und Gastgewerbe erfordern viele menschliche Arbeitskräfte.

“Ein Gericht auf den Tisch zu zaubern, ist das, was ein Mensch erledigt”, sagt Juan José Hernández von der Wirtschaftshochschule in Santa Cruz de Tenerife. Zwar könnten Prozesse, die früher von fünf Menschen erledigt wurden, jetzt von nur drei Personen durchgeführt werden. Dennoch brauche es weiterhin menschliche Arbeitnehmende.

Gesetze schützen Arbeitnehmer auf den Kanaren

José Ángel Rodríguez ist Professor für Angewandte Ökonomie an der Universität La Laguna auf Teneriffa. Der Experte sagt, dass die Beschwerden von Arbeitnehmern im Gastgewerbe zum Thema Überstunden zwar nie vollständig aufgehört hätten, doch “immer weniger Arbeitgeber wollen Geldstrafen riskieren”. Daher habe “die Regulierung des Arbeitsmarkts” in den vergangenen Jahren positive Effekte für Arbeitnehmende hervorgebracht.

Möglich macht den Rückgang von Überstunden also die Gesetzgebung. Hinzu kommen immer neue Touristenrekorde. Trotz Technisierung und nicht-menschlicher Unterstützung im Arbeitsalltag werden daher mehr Arbeitskräfte benötigt. Und das spiegelt sich in den aktuellen Zahlen wider.

Kanaren-Arbeitgeber: Personal fehlt deutlich öfter als früher

Doch auch ein anderer Grund sorgt für einen größeren Bedarf an Arbeitskräften: Denn auch die Fehlzeiten seien gestiegen, beklagen die kanarischen Arbeitgeber. Nach Angaben des Nationalen Statistik-Instituts INE stieg die Zahl der nicht geleisteten Arbeitsstunden auf den Kanarischen Inseln seit dem Jahr 2018 um 26,8 Prozent.

Das führt umgehend zu einem Rückgang der Produktivität. Und somit zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Hernández kann das in Zahlen untermauern. In Spanien würden Arbeitnehmende etwa 1600 Arbeitsstunden pro Jahr leisten. Durchschnittlich würden dabei für den Arbeitgeber 58 Euro pro Stunde erwirtschaftet. In Irland hingegen sind es bei rund 1400 Stunden pro Person 130 Euro pro Stunde.

Kanaren: Arbeitgeber sehen KI und Technik als Chance

Um das zu ändern, sehen Arbeitgeber in KI und zunehmender Technisierung der Arbeitsschritte eine große Chance. Auch wenn viele Jobs noch immer von Menschen erledigt werden müssen, gibt es durchaus die Möglichkeit, einzelne Schritte zu automatisieren.

Rodríguez sieht die EU dabei allerdings als träge an: “Die Vereinigten Staaten investieren 47 Milliarden Euro in KI. China investiert 13 Milliarden Euro. Europa hingegen investiert eine Milliarde”. Der Versuch der EU sei kläglich.

Für Hernández sei die Automatisierung eine unaufhaltsame Welle. Wann und wie auch der Arbeitsmarkt der Kanaren davon profitiert, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit gilt als Wahrscheinlich, dass die Zahl der Arbeitnehmenden auf den Kanarischen Inseln weiter steigt.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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